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ETIM xChange 2.0: Umstellung im Elektrogroßhandel

ETIM xChange 2.0 löst ETIM BMEcat schrittweise ab. So plant der Elektrogroßhandel Mapping, Validierung und einen kontrollierten Parallelbetrieb.
ETIM xChange 2.0: Umstellung im Elektrogroßhandel
Daten & Analytics aus der Conveso Praxis
Fynn Governatori24. September 20268 Min.

Ein Lieferant stellt seinen Produktdatenexport auf ETIM xChange 2.0 um, der eigene Import erwartet aber noch ETIM BMEcat. Jetzt braucht die IT im Elektrogroßhandel mehr als einen Konverter. Sie muss klären, welche Produkt-, Verkaufsartikel- und Verpackungsdaten in ERP, PIM und Shop ankommen, welche Regeln der Empfänger verlangt und wie der laufende Katalogprozess während der Umstellung stabil bleibt.

Kurzantwort: ETIM xChange 2.0 ist ein JSON-basiertes Austauschformat für ETIM-klassifizierte Produktdaten und der offizielle Nachfolger von ETIM BMEcat. Eine belastbare Umstellung beginnt mit einem Feldmapping und einem verbindlichen Empfängerprofil. Danach folgen technische Validierung, fachlicher Vergleich gegen den bisherigen BMEcat-Import und ein zeitlich begrenzter Parallelbetrieb. Erst wenn Identitäten, Einheiten, Preise, Medien, Änderungen und Verpackungsebenen stimmen, wird ein Lieferant kontrolliert umgestellt.

Was ist ETIM xChange 2.0?

ETIM xChange 2.0 regelt, wie Produktstammdaten zwischen Geschäftspartnern und Systemen übertragen werden. Das Format ist nicht mit der ETIM-Klassifikation gleichzusetzen. Die Klassifikation beschreibt technische Produkte über Klassen, Merkmale, Werte und Einheiten. xChange transportiert diese Angaben zusammen mit weiteren Produkt-, Verkaufs- und Logistikdaten.

Die offizielle Richtlinie zu ETIM xChange 2.0 definiert dafür ein JSON-Schema. Sie trennt drei Ebenen:

  1. Product: Was wird hergestellt? Dazu gehören Produktidentität, technische Angaben, Klassifikation, rechtliche Informationen und Anhänge.
  2. TradeItem: Was wird verkauft? Hier stehen unter anderem Artikelidentität, Bestellangaben, Einheiten, Preise und logistische Daten.
  3. PackagingUnit: Wie wird der Verkaufsartikel verpackt oder versendet? Diese Ebene bildet Packstücke, Abmessungen, Gewichte und enthaltene Verkaufsartikel ab.

Die Trennung ist im Elektrogroßhandel besonders relevant. Dasselbe Kabel kann als technisches Produkt beschrieben sein, aber pro Meter, im Ring oder auf einer Trommel verkauft werden. Ein Mapping, das Produkt, Verkaufsartikel und Verpackung vermischt, erzeugt später falsche Bestelleinheiten, Preise oder Versandinformationen.

Warum wird ETIM xChange 2.0 jetzt für den Elektrogroßhandel relevant?

ETIM International hat Version 2.0 am 27. November 2025 veröffentlicht. Der offizielle Versionshinweis nennt unter anderem zusätzliche Felder für Umwelt- und Verpackungsdaten sowie die Verwaltung von Seriennummern. Für Deutschland kündigte ETIM Deutschland die Einführung bei VEG Open Datacheck Elektro im zweiten Quartal 2026 an.

Damit wird xChange für Hersteller, Datenpools und Elektrogroßhändler zu einer konkreten Integrationsfrage. Das bedeutet aber nicht, dass jeder bestehende BMEcat-Prozess sofort abgeschaltet werden sollte. Lieferanten, Datenpools und Zielsysteme werden nicht am selben Tag umstellen. Für eine Übergangszeit muss die IT beide Eingänge eindeutig erkennen, verarbeiten und vergleichen können.

Wer noch grundsätzlich klären muss, welche Aufgabe Austauschformat und Klassifikation übernehmen, findet die Abgrenzung im Beitrag zu BMEcat, ETIM, DATANORM und ECLASS. Bei xChange lautet die engere Entscheidung: Wie wird ein bestehender ETIM-BMEcat-Datenfluss ohne Kontrollverlust auf das neue Format überführt?

Was ändert sich gegenüber ETIM BMEcat?

Die Umstellung ist keine reine Änderung der Dateiendung. Der bisherige BMEcat-Weg basiert auf XML und nutzt für zusätzliche Anforderungen häufig Erweiterungen. xChange basiert auf JSON und besitzt ein eigenes Schema mit einer ausdrücklich beschriebenen Produkt-, Verkaufsartikel- und Verpackungshierarchie.

PrüffeldETIM BMEcat im BestandETIM xChange 2.0Konsequenz für die Umstellung
Technisches FormatXML mit vereinbartem ETIM-Profil und möglichen ErweiterungenJSON mit xChange-SchemaParser und technische Validierung getrennt behandeln
DatenstrukturBestehende BMEcat-Felder und partnerbezogene ErweiterungenProduct, TradeItem und PackagingUnitFeldmapping fachlich prüfen, nicht nur Feldnamen übertragen
Voll- und ÄnderungsdatenAbhängig von Katalogtyp und PartnervereinbarungFULL oder CHANGE mit Referenz auf die vorherige KatalogversionÄnderungsbezug und Reihenfolge verbindlich protokollieren
PflichtangabenProfil, Version und Erweiterungen des PartnersInternationales Schema plus mögliche länderspezifische VorgabenEmpfängerprofil zusätzlich zum Basisschema dokumentieren
QualitätsnachweisBestehende Prüfwerkzeuge und eigene ImportregelnSchema- und Klassifikationsprüfung für xChange 2.0 verfügbarTechnische und fachliche Prüfung als zwei Stufen aufbauen

ETIM Deutschland weist darauf hin, dass vorhandene Datenbestände für die Migration genutzt werden können. Daraus folgt kein verlustfreies Standardmapping für jedes Haus. Eigene Erweiterungen, interne Artikelidentitäten, Preislogik, Medienrechte und kundenspezifische Felder bleiben zu prüfen.

Welche Daten müssen vor dem Mapping geklärt sein?

Das Mapping sollte bei der fachlichen Bedeutung beginnen. Ein Feld ist erst dann zugeordnet, wenn Quelle, Ziel, Einheit, erlaubte Werte und Verantwortung feststehen. Für den Elektrogroßhandel gehören mindestens diese Bereiche in die Bestandsaufnahme:

  • Herstellerartikelnummer, Lieferantenartikelnummer, GTIN und interne Artikelnummer
  • ETIM-Version, Sektor, Klasse, Merkmale, Werte und Einheiten
  • Produktbezeichnungen, Sprachen, Synonyme und Suchbegriffe
  • Bestell-, Gebrauchs- und Preiseinheiten sowie Umrechnungsfaktoren
  • Verpackungsstufen, Abmessungen, Gewichte und Mindestmengen
  • Listenpreise, Preisbasis, Zuschläge und zeitliche Gültigkeit
  • Bilder, Datenblätter, Leistungserklärungen und weitere Anhänge
  • Produktstatus, Nachfolgeartikel, Beziehungen und Löschkennzeichen
  • rechtliche und umweltbezogene Angaben, soweit für Sortiment und Marktrolle erforderlich

Besonders kritisch sind Felder, die formal ähnlich wirken, aber unterschiedliche Geschäftsregeln auslösen. Eine Preiseinheit ist nicht automatisch eine Bestelleinheit. Eine GTIN kann sich auf Produkt, Verkaufsartikel oder Verpackung beziehen. Ein technisches Merkmal darf nicht ungeprüft zur kaufmännischen Artikelvariante werden.

Die xChange-Richtlinie lässt auf internationaler Ebene viele Felder optional, während ein einzelnes ETIM-Land zusätzliche Vorgaben machen kann. Deshalb reicht die Prüfung gegen das Basisschema nicht aus. Der Empfänger muss festlegen, welche Version, lokalen Regeln und Pflichtinhalte er tatsächlich akzeptiert.

Wie läuft die Umstellung auf ETIM xChange 2.0 ab?

Ein kontrollierter Wechsel lässt sich in sieben Arbeitsschritte teilen:

  1. Datenflüsse inventarisieren: Lieferanten, Datenpools, BMEcat-Versionen, Erweiterungen, Übertragungswege und Zielsysteme erfassen. Auch manuelle Nacharbeiten gehören in diese Übersicht.
  2. Zielprofil festlegen: xChange-Version, Empfängerregeln, Sprachen, ETIM-Version, Änderungsverfahren und Pflichtfelder schriftlich vereinbaren.
  3. Feldmapping erstellen: Jedes relevante BMEcat- und Erweiterungsfeld einer xChange-Struktur oder einem dokumentierten Klärfall zuordnen. Nicht benötigte Felder werden begründet ausgeschlossen.
  4. Import getrennt aufbauen: xChange-Dateien zunächst in einen Prüfbereich übernehmen. Das führende ERP oder PIM wird noch nicht überschrieben.
  5. Technisch validieren: JSON-Schema, Datentypen, Wertelisten, Klassifikationsbezug und Katalogreferenz prüfen. Das offizielle xChange-Prüfwerkzeug unterstützt Version 2.0 und prüft Schema sowie referenzierte ETIM-Klassifikation. Der Zugang ist ETIM-Mitgliedern vorbehalten.
  6. Fachlich vergleichen: Ergebnisse aus xChange und dem bisherigen BMEcat-Prozess für dieselben Artikel gegenüberstellen. Identitäten, Einheiten, Preise, Verpackungen, Medien und Änderungen müssen im Zielsystem dieselbe fachliche Wirkung haben.
  7. Lieferant gezielt umstellen: Erst nach dokumentierter Abnahme wird der neue Eingang freigegeben. BMEcat bleibt für eine festgelegte Rückfallzeit verfügbar, nicht als unbegrenzte Doppelpflege.

Die technische Umsetzung sollte an die vorhandene ERP- und Systemlandschaft andocken. Ein neuer Produktdatenstandard ist kein Grund, die führenden Systeme zu umgehen. Stattdessen braucht der Import klare Übergabepunkte, Protokolle und einen Weg, eine fehlerhafte Lieferung ohne Schreibzugriff zurückzuweisen.

Welche Fehler muss der Parallelbetrieb sichtbar machen?

Eine schema-konforme Datei kann fachlich ungeeignet sein. Der Parallelbetrieb soll deshalb nicht nur prüfen, ob sich eine Datei öffnen lässt. Er muss zeigen, ob der neue Datenfluss dieselben oder bessere Entscheidungen ermöglicht.

Typische Klärfälle sind:

  • Ein Produkt wird durch abweichende Identitäten doppelt angelegt.
  • Verkaufsartikel und Verpackungseinheit werden vertauscht.
  • Meter, Stück, Ring und Trommel erhalten falsche Umrechnungsfaktoren.
  • Ein Änderungskatalog bezieht sich auf eine nicht verarbeitete Vorversion.
  • Ein optionales Feld fehlt, obwohl das deutsche Empfängerprofil es verlangt.
  • Preise oder Zuschläge gelangen ohne kaufmännische Freigabe in das ERP.
  • Medienlinks sind technisch erreichbar, aber für den vorgesehenen Kanal nicht freigegeben.
  • Eine neue ETIM-Klasse oder ein Merkmalswert hat noch kein internes Mapping.
  • Ein Löschkennzeichen würde einen weiterhin benötigten Artikel sperren.

Jeder Fall braucht einen Status, einen fachlichen Besitzer und eine Entscheidung. Automatisch übernommen werden nur Werte, deren Herkunft und Ziel eindeutig sind. Preis- und Konditionsänderungen sollten weiterhin über eine eigene Kontrollkette für die Preispflege laufen.

Woran misst die IT einen xChange-Pilot?

Ein Pilot ist erfolgreich, wenn der Datenfluss beherrschbar ist. Die Zahl importierter Artikel allein sagt darüber wenig aus. Aussagekräftiger sind:

  • Anteil der Dateien, die Schema und vereinbartes Empfängerprofil beim ersten Lauf bestehen
  • Anteil eindeutig zugeordneter Produkte, Verkaufsartikel und Verpackungen
  • Abweichungen zwischen BMEcat- und xChange-Ergebnis je Prüffeld
  • fehlende oder ungültige Pflichtwerte je Lieferant und Warengruppe
  • manuelle Klärfälle je tausend Artikel
  • Zeit vom Eingang bis zur technischen und fachlichen Freigabe
  • Zahl zurückgewiesener Änderungen, Löschungen und Preisabweichungen
  • Dauer und Ergebnis des getesteten Rückfallwegs

Diese Messgrößen trennen Formatfehler von Datenqualitätsproblemen. Damit wird sichtbar, ob der Engpass im Lieferantenprofil, im Mapping, im eigenen Stammdatenmodell oder in einer fehlenden Freigaberegel liegt.

Wie starten Sie ETIM xChange 2.0 im Elektrogroßhandel?

Wählen Sie für den ersten Lauf einen kooperativen Lieferanten, eine begrenzte Warengruppe und einen Zielkanal. Eine Produktfamilie mit mehreren Verkaufs- und Verpackungseinheiten ist aussagekräftiger als ein besonders sauberer Einzelartikel. Verwenden Sie eine vollständige Datei und mindestens einen Änderungskatalog.

Legen Sie vor dem Test fest, wer technische Fehler, Produktdaten, Preise und Freigaben verantwortet. Die IT betreibt Import, Protokollierung und Rückfallweg. Produktdatenverantwortliche prüfen Klassifikation, Merkmale und Medien. Die kaufmännische Fachrolle gibt Preise und Konditionen frei. Erst nach einem dokumentierten Vergleich wird der Datenfluss für weitere Lieferanten geöffnet.

Für Unternehmen im Elektrogroßhandel lohnt sich jetzt eine Bestandsaufnahme der BMEcat-Profile und xChange-Anforderungen. In einem Gespräch über Ihren konkreten Produktdatenfluss lässt sich abgrenzen, welcher Lieferant und welche Warengruppe sich für ein belastbares Pilotprojekt eignen.

Fynn Governatori
Fynn Governatori

Geschäftsführer und Berater für den technischen Fachgroßhandel

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