Prozessoptimierung

Angebotskonfigurator: Kriterien für den Elektrogroßhandel

Ein Angebotskonfigurator verbindet Produktregeln, Preise und Freigaben. Diese Kriterien helfen Vertriebsleitern im Elektrogroßhandel bei Auswahl und Pilot.
Angebotskonfigurator: Kriterien für den Elektrogroßhandel
Prozessoptimierung aus der Conveso Praxis
Fynn Governatori10. August 20269 Min.

Beispielszenario, kein Kundenfall: Eine Projektanfrage umfasst Kabel, Schaltgeräte und Installationstechnik mit vielen Positionen. Ein Teil ist eindeutig, bei anderen fehlen Ausführung, Zulassung oder Fabrikat. Gleichzeitig müssen Projektkondition, Metallzuschlag, Lieferfähigkeit und technische Alternativen zusammenpassen. Der Innendienst kann im ERP ein Angebot anlegen. Die eigentliche Arbeit steckt jedoch in den Entscheidungen davor.

Ein Angebotskonfigurator lohnt sich im Elektrogroßhandel, wenn wiederkehrende Produktregeln, Preislogiken und Freigaben die Angebotsdurchlaufzeit bestimmen. Er sollte Anforderungen zu einer technisch zulässigen Auswahl führen, Preise aus freigegebenen Quellen berechnen und Ausnahmen sichtbar an den Vertrieb geben. ERP, Produktdaten und Kundenkonditionen bleiben führend.

Kurzantwort

Ein Angebotskonfigurator ist keine bessere PDF-Vorlage. Er verbindet Konfiguration, Preisfindung und Angebot zu einem kontrollierten Ablauf. Für den Elektrogroßhandel ist er vor allem bei variantenreichen Systemen, Projektkonditionen und wiederkehrenden Prüfregeln interessant. Ein Pilot sollte eine klar abgegrenzte Angebotsart abbilden und gegen abgeschlossene Vorgänge geprüft werden.

Was ist ein Angebotskonfigurator im Elektrogroßhandel?

Ein Angebotskonfigurator führt den Vertriebsmitarbeiter von der Kundenanforderung zu einer zulässigen Produkt- oder Systemauswahl. In einer CPQ-Lösung stehen die drei Buchstaben für Configure, Price und Quote: konfigurieren, bepreisen und anbieten.

Diese drei Aufgaben sind zu unterscheiden:

  1. Konfigurieren: Welche Komponenten passen fachlich zusammen? Welche Merkmale sind Pflicht? Welche Kombinationen sind ausgeschlossen?
  2. Bepreisen: Welche Preisliste, Projektkondition, Mengenstaffel, Zuschläge und Freigabegrenzen gelten?
  3. Anbieten: Welche Positionen, Alternativen, Lieferhinweise und Dokumente gehen in welcher Version an den Kunden?

Eine normale Angebotsfunktion im ERP kann Positionen, Preise und Status verwalten. Das ist noch keine belastbare Konfiguration. Die Microsoft-Dokumentation zu Angeboten zeigt beispielhaft, wie Produktkatalog, Preisliste, Positionen, Preisregeln, Rabatte und Angebotsstatus zusammenwirken. Ob daraus ein fachlich geführter Konfigurator wird, hängt von den abgebildeten Produkt- und Prozessregeln ab.

Der Unterschied zur automatisierten Angebotserstellung liegt damit in der Hauptfrage. Die Prozessseite behandelt den Weg von Anfrage und Positionserfassung bis zum Angebotsentwurf. Ein Angebotskonfigurator beantwortet zusätzlich, welche Auswahl technisch und kaufmännisch zulässig ist.

Wann lohnt sich ein Angebotskonfigurator?

Ein Systemname ist noch kein Business Case. Prüfen Sie zuerst, wo Ihr Innendienst tatsächlich Zeit verliert und welche Fehler nach der Angebotserstellung korrigiert werden müssen.

| Ausgangslage | Angebotskonfigurator eher passend | Andere Maßnahme zuerst prüfen | |---|---|---| | Produktwahl | wiederkehrende Abhängigkeiten zwischen Komponenten, Leistungen oder Zubehör | überwiegend eindeutige Artikelnummern ohne Variantenlogik | | Preisfindung | Projektpreise, Mengenstaffeln, Zuschläge und Margengrenzen folgen klaren Regeln | Preise fehlen oder werden außerhalb des führenden Systems gepflegt | | Anfragen | ähnliche Projekt- oder Systemanfragen treten regelmäßig auf | jede Anfrage ist eine einmalige Sonderkonstruktion | | Freigaben | dieselben technischen und kaufmännischen Ausnahmen kehren wieder | Zuständigkeiten und Freigabegrenzen sind noch ungeklärt | | Daten | Artikel, Merkmale, Preise und Gültigkeiten sind erreichbar und versionierbar | Produktdaten und Konditionen widersprechen sich bereits im Tagesgeschäft |

Besonders relevant ist die Prüfung bei Systemangeboten, etwa für Gebäudeautomation, Ladeinfrastruktur, Verteilungen oder wiederkehrende Projektpakete. Bei einer reinen Nachbestellung mit eindeutiger Artikelnummer wäre ein Konfigurator häufig zu groß. Dort kann eine saubere Auftragserfassung der passendere Hebel sein.

Welche Daten braucht ein Angebotskonfigurator?

Der Konfigurator kann nur Regeln prüfen, wenn die beteiligten Datenquellen eindeutig sind. Für den Elektrogroßhandel gehören typischerweise diese Bereiche dazu:

  • Kunden, Ansprechpartner, Projekt und Lieferadresse
  • Artikelnummern, Herstellerreferenzen und freigegebene Ersatzartikel
  • technische Merkmale, Einheiten, Zubehör und Abhängigkeiten
  • Preislisten, Kunden- und Projektkonditionen sowie Gültigkeiten
  • Metallbasis, Zuschläge, Zuschnitt, Fracht und weitere kalkulationsrelevante Angaben
  • Bestand, Beschaffungszeit und bestätigte Liefertermine
  • Margen- und Rabattgrenzen sowie zuständige Freigeber
  • Angebotsversion, Originalanfrage und dokumentierter Entscheidungsstand

ETIM strukturiert technische Produkte nach Klassen, Merkmalen, Werten und Einheiten. Der Standardgeber beschreibt die Klassifikation ausdrücklich als Grundlage für einen einheitlichen Produktdatenaustausch, nicht als fertige Anwendung. Ein ETIM-Modell kann daher die Merkmalsbasis unterstützen. Die Regeln für eine zulässige Kombination, Projektkondition oder Freigabe müssen trotzdem im eigenen Prozess festgelegt werden.

Auch ein Produktkatalog im CRM oder ERP löst nicht jede Konfigurationsfrage. Die Microsoft-Dokumentation zum Produktkatalog nennt Produktfamilien, konfigurierbare Eigenschaften, Bündel, Einheiten, Preislisten und Rabatte. Für die Auswahlentscheidung zählt, welche dieser Daten bereits verlässlich vorhanden sind und welche heute nur in Herstellerunterlagen, Excel-Dateien oder im Wissen einzelner Mitarbeiter stehen.

Wie läuft die Angebotskonfiguration im Tagesgeschäft?

Ein praxistauglicher Ablauf beginnt bei der Kundenanfrage und endet mit einem freigegebenen Angebotsstand im führenden System.

1. Anfrage und Angebotsart zuordnen

E-Mail, Excel-Liste, PDF oder Leistungsverzeichnis bleiben mit Kunde, Projekt, Frist und Originaldatei verbunden. Der Vorgang wird einer freigegebenen Angebotsart zugeordnet. Eine Projektanfrage für Gebäudeverkabelung braucht andere Regeln als eine wiederkehrende Zusammenstellung für Ladepunkte.

2. Anforderungen in Merkmale übersetzen

Artikelnummern und eindeutige Angaben werden übernommen. Freitext und Fabrikatsangaben führen zu Such- oder Klärvorschlägen. Fehlende Spannung, Schutzart, Querschnitt, Zulassung oder Ausführung dürfen nicht stillschweigend ergänzt werden.

3. Komponenten und Alternativen prüfen

Der Konfigurator wendet dokumentierte Abhängigkeiten an. Pflichtzubehör wird ergänzt, unzulässige Kombinationen werden gesperrt und technisch freigegebene Alternativen werden sichtbar. Eine Lieferalternative ist erst dann ein Angebot, wenn sie fachlich zum Anwendungsfall passt.

4. Preis und Lieferfähigkeit zusammenführen

Preisquelle, Gültigkeit, Kundenkondition, Projektpreis, Zuschlag und Marge werden positionsbezogen ausgewiesen. Bestand und Beschaffungszeit stehen daneben. Ein günstiger Preis ohne belastbaren Termin löst das Kundenproblem nicht.

5. Ausnahmen und Freigaben bündeln

Nur der betroffene Punkt geht zur Prüfung. Der Vertrieb sieht Originalanforderung, Regel, Datenquelle und Auswirkung gemeinsam. Die offizielle SAP-CPQ-Dokumentation zu Angebotsfreigaben zeigt als Produktbeispiel, dass Regelverletzungen wie ein zu hoher Rabatt oder Angebotswert einen Freigabestatus und eine dokumentierte Entscheidung auslösen können. Für Ihren Betrieb müssen Auslöser, Vertreter und Eskalationsweg konkret konfiguriert werden.

6. Version freigeben und übergeben

Nach der fachlichen und kaufmännischen Freigabe geht der Angebotsstand an ERP oder CRM. Positionen, Preisstand, Alternativen und offene Vorbehalte müssen zur versendeten Version passen. Spätere Änderungen erzeugen eine nachvollziehbare neue Version.

Was ist bei Leistungsverzeichnissen und GAEB zu beachten?

Im Projektgeschäft darf eine Konfiguration nicht die Struktur der Anfrage verlieren. Der GAEB ordnet X83 der Angebotsaufforderung und X84 der Angebotsabgabe zu. Für den Handel nennt der Standard X93 als Preisanfrage und X94 als Preisangebot. Die Übersicht zu GAEB DA XML 3.3 macht diese Austauschphasen ausdrücklich unterscheidbar.

Für einen Angebotskonfigurator bedeutet das:

  • Positionsnummern, Hierarchie und Bezug zur Originalanfrage bleiben erhalten.
  • Ergänzungen und Alternativen werden getrennt von der verlangten Position ausgewiesen.
  • Pflichttexte, Bieterangaben und Einheiten werden nicht durch eine interne Kurzbezeichnung ersetzt.
  • Eine technische Produktzuordnung verändert nicht ungeprüft die Angebotsstruktur.
  • Die Rückgabe wird mit realen Testdateien und dem vorgesehenen Zielsystem geprüft.

Das Auslesen eines Leistungsverzeichnisses ist deshalb ein vorgelagerter Teilprozess. Erst danach beginnt die fachliche Konfiguration.

Wie dockt der Konfigurator an ERP, PIM und CRM an?

Vor der Produktauswahl braucht es ein klares Datenführungsmodell.

| System | Typische führende Aufgabe | Kritische Übergabe | |---|---|---| | ERP oder Warenwirtschaft | Kunde, Artikel, Kondition, Bestand, Auftrag | freigegebene Angebotspositionen und Referenzen | | PIM oder Produktdatenquelle | Merkmale, Dokumente, Klassifikation | versionierte technische Daten | | CRM | Verkaufschance, Ansprechpartner, Aktivitäten | Angebotsstatus und nächster Schritt | | Angebotskonfigurator | Auswahlregeln, Konfigurationsstand, Prüfhinweise | nachvollziehbarer Entwurf mit Ausnahmen | | Dokumentenablage | Originalanfrage und versendete Versionen | eindeutige Zuordnung zum Vorgang |

Eine vorhandene API belegt nur, dass ein technischer Datenweg möglich ist. Sie belegt nicht, dass Datenmodell, Rechte und Fehlerbehandlung für Ihren Prozess passen. So umfasst die SAP Product Integration REST API verschiedene Lese- und Schreiboperationen und weist bei Produktmengen auf Bulk-Endpunkte sowie mögliche Sperr- und Integritätsrisiken hin. Genau solche Betriebsgrenzen gehören in den Schnittstellentest.

Bei der ERP-Integration sollten Vertriebsleitung und IT deshalb festhalten: Wer darf lesen, wer darf schreiben, welches System gewinnt bei einem Konflikt, wie wird ein Fehler protokolliert und wie arbeitet der Innendienst bei einem Ausfall weiter?

Welche Ausnahmen müssen beim Menschen bleiben?

Ein Angebotskonfigurator sollte klare Fälle beschleunigen und unklare Fälle früher sichtbar machen. Diese Entscheidungen brauchen in der Regel eine fachliche Freigabe:

  • ein Alternativartikel erfüllt nicht alle geforderten technischen Merkmale
  • eine Projektmenge überschreitet Bestand oder bestätigte Beschaffung
  • Metallbasis, Zuschnitt oder Gültigkeit ist nicht eindeutig
  • eine Kombination ist technisch möglich, aber noch nicht im Sortiment freigegeben
  • Herstellerunterlage und Produktstamm widersprechen sich
  • die angefragte Zulassung oder Dokumentation fehlt
  • Projektpreis und Standardkondition führen zu unterschiedlichen Ergebnissen
  • die Lieferzusage hängt von einer noch offenen Herstellerbestätigung ab
  • das Leistungsverzeichnis lässt eine Alternative nur unter bestimmten Bedingungen zu

Der Konfigurator darf den Prüffall erklären, Daten zusammenstellen und eine Entscheidung dokumentieren. Die verbindliche technische, kaufmännische und kundenbezogene Aussage bleibt bei den zuständigen Mitarbeitern.

Nach welchen Kriterien wählen Sie einen Angebotskonfigurator aus?

Lassen Sie sich nicht nur eine vorbereitete Mustervorführung zeigen. Nutzen Sie abgeschlossene Angebote aus Ihrem eigenen Tagesgeschäft und bewerten Sie jeden Anbieter nach denselben Kriterien:

  1. Fachliche Abdeckung: Bildet das System Ihre Artikelgruppen, Einheiten, Merkmale, Zubehör- und Ausschlussregeln ab?
  2. Preislogik: Sind Projektkonditionen, Gültigkeiten, Zuschläge, Margengrenzen und Preisquellen nachvollziehbar?
  3. Ausnahmebehandlung: Zeigt das System Unsicherheit und Regelverletzungen, statt eine scheinbar vollständige Position zu erzeugen?
  4. Freigaben: Lassen sich Rollen, Vertretungen, Wertgrenzen und technische Prüfungen passend zum Betrieb einrichten?
  5. Integration: Sind Datenobjekte, Versionen, Rechte, Protokolle und Rückfallwege für Ihre ERP-Installation dokumentiert?
  6. Pflegeaufwand: Wer hält Produktregeln aktuell, wie werden Änderungen getestet und welche Abteilung gibt sie frei?
  7. Betrieb: Welche Verfügbarkeit, Sicherung, Wiederherstellung und Supportwege sind zugesagt?
  8. Datenhoheit: Können Konfigurationen, Regeln und Angebotsstände in einem nutzbaren Format exportiert werden?
  9. Kostenlogik: Welche Kosten hängen an Nutzern, Modulen, Schnittstellen, Konfigurationen, Dokumenten oder Betrieb?

Ein passendes System muss nicht jede Anfrage abdecken. Entscheidend ist, dass der freigegebene Umfang stabil läuft und der Innendienst außerhalb dieses Umfangs einen klaren Arbeitsweg behält.

Woran messen Sie den Geschäftsnutzen?

Messen Sie denselben Angebotsabschnitt vor und während des Piloten. Geeignete Kennzahlen sind:

  • aktive Bearbeitungszeit je Angebot
  • Zeit vom vollständigen Eingang bis zum ersten prüffähigen Entwurf
  • Anteil eindeutig konfigurierter Positionen
  • Ausnahmen nach Ursache, Artikelgruppe und Datenquelle
  • Korrekturen nach technischer oder kaufmännischer Freigabe
  • Durchlaufzeit einer Freigabe
  • Anzahl der Angebotsversionen und Grund der Änderung
  • Such- und Rückfragezeit im Innendienst

Die Abschlussquote allein ist kein sauberer Nachweis. Preis, Lieferfähigkeit, Wettbewerb und Projektlage wirken gleichzeitig. Zuerst sollte der Pilot belegen, dass Angebote vollständiger, nachvollziehbarer und mit weniger Sucharbeit vorbereitet werden.

Der sinnvolle Einstieg ist eine Angebotsart mit wiederkehrenden Regeln, ausreichender Fallzahl und belastbaren Vergleichsvorgängen. Prüfen Sie gemeinsam mit Vertrieb und IT, welche Daten heute führend sind, welche Entscheidungen oft zurückkommen und welche Ausnahme niemals automatisch weiterlaufen darf. Die Seite zum Elektrogroßhandel zeigt den passenden Branchenkontext. Für die Abgrenzung eines ersten Prüffalls ist ein sachliches Prozessgespräch der nächste Schritt.

Fynn Governatori
Fynn Governatori

Geschäftsführer und Berater für den technischen Fachgroßhandel

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