Conveso LogoMeine Akademie

Lektion 3 von 5

Effektive Prompts schreiben

Der Prompt ist die Werkstatt-Anweisung

Wenn Sie einen Handwerker beauftragen, reichen zwei Sätze selten. Sie beschreiben das Objekt, den Zweck, das Material, die Fristen und welches Ergebnis Sie erwarten. Bei Claude ist es ähnlich. Die Qualität einer Antwort hängt selten am Modell, fast immer an der Klarheit der Anweisung.

Diese Lektion zeigt Ihnen, wie Sie Prompts strukturieren, wie Sie Feinschliff erzeugen und welche Muster im Alltag besonders gut tragen.

Die vier Bausteine eines guten Prompts

Für alle Aufgaben, die über eine banale Frage hinausgehen, bewährt sich eine Struktur aus vier Bausteinen. Sie müssen nicht in dieser Reihenfolge stehen, aber alle vier sollten beantwortet sein.

1. Kontext. Wer sind Sie, für wen schreiben Sie, wofür soll das Ergebnis verwendet werden? Je mehr relevanter Kontext, desto passgenauer die Antwort. Ein Beispiel: „Ich bin im Vertriebsinnendienst eines Elektro-Großhandels mit regionalem Mittelstandsgeschäft. Kunden sind Handwerksbetriebe, Stimmung im Austausch ist fachlich und kurz."

2. Aufgabe. Was genau soll Claude tun? Hier ist Präzision wichtiger als Wortreichtum. Nicht „Schreibe eine E-Mail", sondern „Formuliere eine E-Mail an einen Bestandskunden, um ihn auf eine verspätete Lieferung vorzubereiten, ohne entschuldigend zu wirken."

3. Format. Wie soll das Ergebnis aussehen? Länge, Struktur, Ton. „Drei kurze Absätze, förmliche Anrede, am Ende ein klarer nächster Schritt." Ohne Format-Angabe entscheidet Claude — und entscheidet manchmal anders, als Sie es brauchen.

4. Beispiele oder Gegenbeispiele. Wo möglich, hilft ein Ankerbeispiel: „So sollte es klingen: [Beispiel-E-Mail]. So bitte nicht: [schlechtes Beispiel]." Zwei kurze Muster reichen oft aus.

Ein voller Beispiel-Prompt:

Kontext: Ich leite den Vertrieb in einem mittelständischen Fachgroßhandel für Sanitärbedarf. Ich schreibe eine Kundenmeldung zu einer verzögerten Lieferung wegen Lieferketten-Engpass beim Hersteller.

Aufgabe: Formuliere eine E-Mail an den Kunden. Ziel: den Kunden auf das neue Lieferdatum vorbereiten, ohne entschuldigend zu wirken. Klare Information, Handlungsoption („teils vorab liefern") ansprechen, Vertrauen halten.

Format: Drei kurze Absätze, förmliche Anrede, konkretes neues Datum einsetzbar, am Ende ein Satz mit Rückrufangebot durch den Außendienst.

Beispiel-Ton: sachlich, respektvoll, nicht unterwürfig.

Das Ergebnis eines solchen Prompts ist deutlich näher am fertigen Produkt als bei einer offenen Frage.

Rolle definieren — wenn es hilft

Ein weit verbreiteter Ratschlag lautet: „Gib Claude eine Rolle." In der Praxis funktioniert das, aber vorsichtig. Die Rolle sollte eine echte fachliche Orientierung liefern, keine Theaterbesetzung.

Gut: „Du bist ein erfahrener Controller. Prüfe diesen Budgetentwurf auf Konsistenz und logische Plausibilität. Gib mir drei konkrete Rückfragen, die du einer Fachabteilung stellen würdest."

Weniger hilfreich: „Du bist ein weltberühmter Finanz-Guru mit zwanzig Jahren Wall-Street-Erfahrung."

Die zweite Variante klingt eindrucksvoller, liefert aber oft nur einen blumigen Stil ohne Mehrwert. Die erste gibt Claude einen fachlichen Blickwinkel — und das ist das, was Sie eigentlich wollen.

Iteration statt Neustart

Selbst wohlstrukturierte Prompts liefern nicht jedes Mal den Treffer. Dann ist Iteration im selben Chat fast immer effektiver als ein Neubeginn. Beispiele für gute Folgeanweisungen:

  • „Bitte den ersten Absatz kürzer und weniger werblich."
  • „Ändere den Ton: weniger distanziert, freundlicher, ohne zu anbiedernd zu werden."
  • „Lass den zweiten Punkt weg, füge stattdessen einen Punkt zum Thema Lagerverfügbarkeit ein."
  • „Mach eine zweite Variante, die einen halb so langen Text hat."

Claude pflegt den Gesprächsverlauf in seinem Kontext. Sie müssen nicht erneut alles erläutern, nur was an der letzten Antwort anzupassen ist.

Muster, die im Alltag besonders gut tragen

Das Reviewer-Muster. Lassen Sie Claude Ihre eigenen Texte kritisieren, bevor Sie sie veröffentlichen. Beispiel: „Lies den folgenden Angebotstext. Gib mir eine strukturierte Kritik aus der Perspektive des Empfängers. Frage: Würde er antworten, würde er zögern, gibt es Unklarheiten oder Risiken?"

Das Strukturierungs-Muster. Claude in ungeordneten Notizen Struktur erzeugen lassen. Beispiel: „Hier sind meine Rohnotizen aus dem Kundengespräch. Strukturiere sie in: Problem, bisherige Lösungsversuche, Schmerzpunkt, Bedarf, nächste Schritte."

Das Gegenfragen-Muster. Statt einer Antwort zuerst Rückfragen. Beispiel: „Bevor du den Plan schreibst: Stelle mir die drei wichtigsten Rückfragen, die du noch brauchst."

Das Explain-Like-Muster. Komplexe Sachverhalte für eine Zielgruppe erklären. Beispiel: „Erkläre das so, wie du es dem Geschäftsführer eines 80-Mann-Betriebs erklären würdest, der kein Jurist ist, aber die Konsequenzen wissen muss."

Das Vorgehens-Muster. Statt Ergebnis zuerst einen Plan. Beispiel: „Bevor du den Report schreibst: Gib mir die geplante Gliederung in fünf Bullet-Points. Wenn ich sie freigebe, arbeitest du sie aus."

Was Claude hilft, ruhig zu bleiben

Drei Techniken, die Halluzinationen deutlich reduzieren:

  • „Wenn du etwas nicht weißt, sag es." Ein expliziter Hinweis im Prompt senkt die Neigung zum Ausschmücken.
  • „Nutze ausschließlich die bereitgestellten Dokumente." Bei Analyse-Aufgaben die Quelle einzugrenzen, ist wirksam.
  • „Zitiere die Stelle." Claude benennen lassen, auf welche Passage er sich stützt, lässt Ungenauigkeiten schnell erkennen.

Was Sie aus dieser Lektion mitnehmen

Gute Prompts beruhen auf vier Elementen: Kontext, Aufgabe, Format, Beispiele. Rollen helfen, wenn sie fachlich sind. Iteration ist der Hauptweg zur Qualität. Mit einigen Arbeitsmustern — Reviewer, Strukturierer, Gegenfragen, Vorgehensplan — lässt sich Claude in vielen Alltagsaufgaben konsistent produktiv nutzen. In der nächsten Lektion schauen wir uns konkrete Einsatzgebiete im Mittelstand an.

Wissenscheck

Welche vier Elemente gehören in einen gut strukturierten Prompt für eine komplexere Aufgabe?

Was ist der pragmatischste Weg, ein Prompt-Ergebnis zu verbessern, wenn es nicht wie gewünscht ausgefallen ist?