Lektion 2 von 5
Die Arbeitsoberfläche: Chat, Projekte, Artifacts, Dateien
Claude ist nicht nur ein Chatfenster
Wer Claude nur als Dialogfeld nutzt, schöpft einen Bruchteil der Möglichkeiten aus. Die Oberfläche ist bewusst in Arbeitsbereiche unterteilt, die sich sinnvoll kombinieren lassen. Diese Lektion gibt Ihnen eine praktische Landkarte.
Der Chat: Ausgangspunkt für einzelne Aufgaben
Der klassische Chat ist das richtige Werkzeug für punktuelle, einmalige Aufgaben: eine E-Mail formulieren, ein Dokument zusammenfassen, eine Idee sortieren. Jede neue Unterhaltung startet ohne Vorgeschichte. Das ist gewollt — es sorgt für einen sauberen Kontext, reduziert Verzerrungen und verringert die Gefahr, dass Inhalte aus einer früheren Unterhaltung in die aktuelle durchsickern.
Praktische Tipps zum Chat:
- Modell bewusst auswählen. Oben im Chat lässt sich das Modell wechseln. Für schnelle Antworten reicht Haiku, für die meisten Aufgaben Sonnet, für komplexe Analysen Opus.
- Dateien direkt anhängen. Sie können PDFs, Word-Dokumente, Tabellen, Bilder und Text-Dateien in den Chat ziehen. Claude liest Inhalt aus, inklusive Tabellen und eingebetteter Abbildungen.
- Unterhaltungen benennen und behalten. Der Verlauf bleibt in der Seitenleiste erhalten, solange Sie ihn nicht löschen. Für wichtige Arbeitsergebnisse lohnt sich ein sprechender Titel.
Projekte: der persistente Kontext
Projekte sind das zentrale Werkzeug, wenn Sie wiederkehrend an einem Thema arbeiten. Ein Projekt bündelt drei Elemente:
- Projektanweisungen (Systemprompt): Hier legen Sie fest, wie Claude sich in diesem Kontext verhalten soll. Zum Beispiel: „Du bist mein Assistent für unsere Innendienst-Prozesse in der Elektro-Großhandelsniederlassung. Antworte immer kurz, in Stichpunkten, mit Verweis auf die Quelle im Projekt-Wissen."
- Projekt-Wissen (Dateien und Texte): Dokumente, Prozessbeschreibungen, Produktkataloge, Templates. Claude kann diese bei jeder Anfrage heranziehen.
- Chats im Projekt: Einzelne Unterhaltungen, die im Kontext dieses Projekts stattfinden. Jede startet frisch, zieht aber automatisch Projektanweisungen und Projekt-Wissen heran.
Typische Projekte im Mittelstand:
- „Angebotserstellung Großhandel" mit Preisfindungs-Logik, AGB, Textbausteinen.
- „Personal-Recruiting" mit Stellenprofilen, Karriere-Tonalität, rechtlichen Leitplanken.
- „Produktkommunikation" mit Markenrichtlinien, Claims, Wording-Dos and Don'ts.
Projekte machen Claude von einem universellen Assistenten zu einem mandanten- oder themenspezifischen Partner.
Artifacts: Inhalte zum Weiterverwenden
Wenn Claude etwas Längeres erzeugt als eine Absatz-Antwort — ein vollständiges Dokument, Code, eine HTML-Landingpage, eine strukturierte Tabelle — legt er das in einem Artifact ab. Artifacts haben drei Vorteile:
- Sie bleiben übersichtlich. Der Chat bleibt schlank, das eigentliche Ergebnis steht in einem eigenen Panel.
- Sie sind editierbar. Sie können Claude bitten, gezielt Teile zu ändern („Den dritten Absatz förmlicher, den Rest belassen"). Claude aktualisiert das Artifact, ohne alles neu zu schreiben.
- Sie lassen sich weiterverwenden. Kopieren, Download als Markdown, Einbetten in HTML-Seiten, Export als Datei.
Artifacts erscheinen automatisch, sobald der Inhalt eine gewisse Länge oder Komplexität erreicht. Sie können Claude aber auch explizit dazu auffordern: „Leg mir das bitte als Artifact an."
Dateien: Anhängen, Durchsuchen, Generieren
Claude kann mit Dateien auf drei Arten umgehen:
- Lesen. Angehängte Dokumente werden durchgelesen. Claude extrahiert Text, erkennt Strukturen in Tabellen, liest Bilder. Bei sehr langen Dokumenten (über viele hundert Seiten) lohnt ein Projekt, in dem die Datei hinterlegt ist.
- Analysieren. Claude kann auf Basis einer Excel-Tabelle Auswertungen machen, Filter anwenden, einzelne Spalten aggregieren. Für eigenständige Berechnungen über viele Zeilen ist eine dedizierte Datenanalyse-Umgebung aber oft schneller.
- Generieren. Claude kann Dateien erzeugen — zum Beispiel Word-Dokumente, Excel-Tabellen, PowerPoint-Skeletons, Markdown-Files. Je nach Oberfläche werden sie direkt als Artifact angezeigt oder als Download angeboten.
Die Desktop-App
Neben der Web-Version gibt es eine Desktop-App für Windows und macOS. Sie bietet:
- Globaler Shortcut. Claude lässt sich mit einer Tastenkombination von überall aus dem System heraus aufrufen.
- Bessere Integration in Dateien. Per Drag-and-Drop aus dem Finder oder Explorer.
- Dieselben Konten. Login mit Ihrem Anthropic-Konto, Projekte, Chats und Einstellungen synchronisieren sich.
Für vielgenutzte Arbeitsplätze ist die Desktop-App die praktischere Wahl; für gelegentliche Nutzung reicht der Browser.
Team- und Enterprise-Angebote
Claude ist in mehreren Tarifen verfügbar:
- Claude Free mit begrenzter Nutzung und einem mittleren Modell, gut zum Kennenlernen.
- Claude Pro für einzelne Vielnutzer, mit Zugang zum stärksten Modell und erweiterten Kontingenten.
- Claude for Teams für mehrere Mitarbeitende mit geteilten Projekten und Admin-Verwaltung.
- Claude for Enterprise mit SSO, Audit-Logs, langem Kontext, strikten Datenschutzzusagen und vertraglichen Vereinbarungen zur Datenverarbeitung.
Der Unterschied für den Mittelstand ist vor allem beim Datenschutz relevant: In den Enterprise-Tarifen sichert Anthropic zu, dass Ihre Eingaben und Ausgaben standardmäßig nicht zum Training verwendet werden. Für den produktiven Unternehmenseinsatz mit geschäftskritischen Daten ist das der regelmäßig zu wählende Pfad.
Was Sie aus dieser Lektion mitnehmen
Die Claude-Oberfläche besteht aus vier funktionalen Kernelementen: einzelne Chats, persistente Projekte, Artifacts für längere Inhalte und der Dateiverarbeitung. Dazu kommen Desktop-App und die gestaffelten Nutzungstarife. Wer diese Werkzeuge bewusst einsetzt, arbeitet spürbar strukturierter und effizienter. In der nächsten Lektion geht es darum, wie Sie die eigentlichen Anweisungen — die Prompts — so formulieren, dass Claude verlässlich liefert.
Wissenscheck
Wozu dienen Projekte in Claude im Unterschied zum normalen Chat?
Was ist ein Artifact in Claude?